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Johannes Brahms

Ikone der bürgerlichen Lebenswelt?

Die Schau zeigt kostbare Exponate aus der Lübecker Sammlung, darunter Musikhandschriften, Briefe, Notendrucke und Fotografien. Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion von Brahms’ Wiener Musikzimmer als Beispiel für ein bürgerliches Interieur im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Bildprogramm mit Bismarck im preisenden Lorbeerkranz ist ebenso aufschlussreich wie die Porträts der verehrten Musiker. Dabei hatte Brahms die Büste von Beethoven im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken, wenn er am Klavier saß.

Die Ausstellung gibt weiterhin Einblicke in die bürgerliche Musikkultur, ohne die das kompositorische Werk von Brahms kaum vorstellbar wäre. Als Komponist von Sinfonien und großformatigen Chorwerken sowie intimer Lieder und Kammermusik kam er einem Publikum entgegen, das die repräsentative Geste öffentlicher Musikfeste und Konzerte ebenso schätzte wie den Rückzug ins Private des Salons. Mit zahlreichen Bearbeitungen eigener und fremder Werke für Klavier, dem Hausmusik-Instrument par exellence, entsprach Brahms auch dem bürgerlichen Bildungsbedürfnis seiner Zeit.

Die Schau thematisiert freilich auch die Brüche dieser bürgerlichen Lebenswelt: Zeitlebens blieb der Hamburger – kaum typisch für eine bürgerliche Biografie – unverheiratet. Stattdessen pflegte Brahms vor allem in seiner Wahlheimat Wien einen großen Freundeskreis, der ihm zum Teil auch familiäre Geborgenheit vermittelte.

Wichtigstes Kommunikationsmedium war im 19. Jahrhundert der Brief. Als Briefschreiber war der Komponist zugleich an der vorrangig vom Bürgertum getragenen Briefkultur des 19. Jahrhunderts beteiligt.

Zahlreiche Fotografien, Zeichnungen und Porträtbüsten hielten das Konterfei der prominenten Wiener Musikerpersönlichkeit fest – meist mit Rauschebart, Zigarre und Querbinder. Im Zeitalter des Geniekults wurden zudem alltägliche Gebrauchsgegenstände der Künstler zu symbolträchtigen Erinnerungsstücken stilisiert. Dazu gehören auch die am Todestag genommene Haarlocke von Johannes Brahms, seine Rauchutensilien oder die persönliche Brieftasche.

Die Ausstellung behandelt die genannten Themen in verschiedenen Abteilungen und macht sie an vier Hörsäulen mit Musik und Texten nachvollziehbar.


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